3. September 2011
1. Ambient-Night

Gelände der Dorfkirche Alt Buckow in Berlin.

Normalerweise erfüllt Musik, ein Konzert, eine Installation die Aufgabe, etwas zum Bestehenden hinzuzufügen – also Harmonien, Melodien, Rhythmen, Klänge, Tanz, Theater – jedenfalls etwas was nicht zum Alltag gehört! Was wäre nun aber das für eine Musik, eine Installation, eine Darbietung, welche etwas wegnähme, die ein Fenster öffnen würde im überhitzten Abteil des täglichen Musikgenusses und Krachs? Das Programmblatt dieses Experiments verweist auf ein filigranes Zelt aus leisen Klängen, auf ein sehr feinen Tongespinst in welches während 2-3 Stunden vier Musiker zyklisch live jeweils ein Musikstück von 2-3 Minuten einspielen.

 

Wer eine luftige, vielleicht auch sogar etwas melancholische Stimmung liebt, wer den Park nach dem Regen, das Rauschen der Verstärker vor und die Stille nach dem Rockkonzert mag, generell, wer Pausen schätzt – der ist hier auf dem Gelände dieser zweitältesten Berliner Dorfkirche mit ihrer über 750 Jahre alten Vater-unser-Glocke genau richtig. Wie die Wiese, nachdem der Zirkus weitergezogen ist: Überall sind noch die Abdrücke der Zelte und Wagen zu sehen, der Geruch von Tieren und Zuckerwatte schwebt tagelang über allem in der Luft und vereinzelt liegt ein Ball, ein Stoff-Fetzen oder ein Seil im Gras – all die kleinen Dinge, welche als Echo an das gewesene Spektakel erinnern.

 

Zu hören live vor Ort:

F. Weinhold an der Pedalharfe

Der Dorforganist an der Orgel

Ein unbekannter Elektrogitarrist

Brian Agro live am Steinway-Flügel

Vögel, Bäume, Insekten, Hunde, Katzen

Autos, Flugzeuge, Stimmen und Schritte im Kies

Das Knacken im Gebälk des Gotteshauses aus dem 13. Jhdt

Mit etwas Glück der Nachhall des Urknalls im Weltall.

 

(Fotos: Alexander Riede)

 


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