6. Juni 2007
Konzert-Installation für ein Landhaus

In der Nähe des Weilers La Corbiere am Schweizer Neue­nburger See betreibt 2007-2010 ein Team aus dem Umfeld des Filmproduzenten Res Balzli ein altes Gutshaus und lädt Künstler aus aller Welt für eine Weile als Gast ein. Den Abschluss eines solchen Aufenthalts bildete dann jeweils eine Ausstellung oder Performance. Gemeinsam mit den Multi-Instrumentalisten Balts Nill und Gérard Widmer entsteht hier im Juni 2007 eine Konzertinstallation und wurde an einem schönen Sommerabend vor geladenen Gästen uraufgeführt.

 

In den ausgewählten Zimmern dieses erhabenen Landsitzes haben wir dabei zuerst allerlei Musikinstrumente und Audio-Abspielgeräte durch das gesamte Gebäude verteilt, und im Wechsel damit experimentiert und improvisert; die gemeinsam getroffene Auswahl von attraktiven Spielsituationen wurde dann anhand eines Zeitplans als Wandel-Konzert von etwa 50 min Dauer umgesetzt. Zu Beginn blieben alle Fenster geschlossen und die draußen verweilenden Gäste konnten aus den Tiefen des Gebäudes wie aus weiter Ferne einzelne musikalische Aktivitäten erleben. Nach und nach wird dann von unsichtbarer Hand hier und dort ein Fenster einen Spalt weit geöffnet, wieder geschlossen, um vielleicht sofort darauf kurz ganz aufgemacht zu werden. Dort erklingt dann etwa ein Trommelwirbel oder eine verträumte Tonfolge vom Klavier. Vom Dachboden herab ruft dazu eine Hirtenflöte. Dieses Geschehen wird umhüllt vom ewigen Zirpen, Rauschen, Zwitschern und Bimmeln der sich dort immer abendlich abspielenden Landschaftsmusik.

 

So eine Konzertinstallation hat was von einem singenden, klingenden Weihnachtskalender, wobei mit dem Fenster-Mischpult auch verdeckt erklingende Musik mit ihrem Echo aus entfernten Fenstern vermischt werden. Auf der Aufnahme hier bin ich vermutlich selbst am Schlagzeug im ersten Stock der Nordwest-Fassade zu hören, Balts Nill und Gérard Widmer bedienen in diesem Fall dann je zwei Fenster.

(Fotos: Res Balzli)


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