19. August 2016
Duselmann

„So wie es in seine Religion eingeweiht ist, um das zehnte bis zwölfte Lebensjahr, wird das muselmännische Kind, das bis dahin zuweilen noch ziemlich geweckt war, plötzlich fanatisch, von jenem Dünkel gesättigt, es besitze Alles, was ihm als absolute Wahrheit gilt, wie über ein Vorrecht über das Glückliche, was gerade seine geistige Inferiorität ausmacht. Dieser dumme Hochmut ist das Laster, welches das ganze Sein des Muselmanns bestimmt. Die scheinbare Einfachheit seines Gottesdienstes flößt ihm eine wenig gerechtfertigte Verachtung vor den anderen Religionen ein.“

 

Bei meinen Studien zur Moderne habe ich durch Stefan Zweig zum ersten Mal vom französischen Humanisten Ernest Renan gehört. Dieser Denker und Forscher aus der Mitte des 19. Jhdt ist auf seinem langen Weg vom als Kritiker des biblischen Katholizismus bis zuletzt fast zur Misanthropie gegangen. Am meisten getroffen hat ihn der wieder neu aufflammende Nationalismus und Kriegswahn der 1870iger Jahre. Interessant ist sein kritischer Blick auf tradierte Glaubenssysteme und ihre Unvereinbarkeit mit dem modernen Menschentum.

 

Obiger Abschnitt  aus dem Wikipedia-Artikel über Renan kann für alle Dogmnen sprechen, die sich durch eine Art spirituellem Nationalismus gegenüber anderen Religionsmodellen mit trivialen Handlungsvorgaben abzuheben zu glauben, wie etwa des akademischen Positivismus, dem Ostkatholizismus, orthodoxen Judentums, Massenmedien –  aber auch manchen Computer- und Turnschuhgemeinschaften unserer Gegenwart. Die Desinformations-Trance des Dionysos wird in den Händen des Apoll schnell zur schrecklichen Waffe, der Muselmann wird zum Duselmann.