3. März 2017
De Vriendts Nachtklage

„Warum hatte er [Gott] Millionen und Milliarden über die Erde ausgegossen, ihre dichte Besiedlung zugelassen, die höllische Anhäufung der Städte und Riesenstädte geduldet und den Menschen gestattet, mit dämonischen Maschinen die Arbeit zu vertausendfachen, die Häßlichkeit ihres Lebens in Stein abzubilden und die schuldlose Erdkruste, das erhaben einfältige Meer, ja die lebendige Luft mit ihren Süchten zu verpesten, ihrem Hin und Her, ihrer ameisenhaften Geschäftigkeit? Floh er, de Vriendt, heute in die Wüste, so kam morgen bestimmt ein Autobus mit Touristen an ihm vorüber; begrub er sich an den Ufern des Toten Meeres, geriet er alsbald in einen Schwarm von Vermessungsbeamten, und eine Förderbahn wurde gelegt, weil sie dort unten eine Fabrik errichteten.

 

[…]

 

Im Ring ist durch Geburt ein jedes Ding

gekettet und die Fessel wächst ins Fleisch.

Dann singt es oder flucht Dir. Sein Gekreisch

Ergötzt Dich, Gütiger. Du erneust den Ring.“

 

 

Arnold Zweig, in: De Vrient kehrt heim. (1932)


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